Liebe Leser meines Blogs,
wie ihr sicher gemerkt habt, habe ich diese Woche noch gar nicht geschrieben. Das liegt daran, dass wir immer noch auf unsere Internetfreischaltung in unserem neuen Domizil in der Elisabethstraße warten, was trotz zügiger Auftragsbestellung wohl doch dauert.
Ansonsten haben wir vergangenen Sonntag Nicolas‘ Studentenbude mittels Studibus und starker, fleißiger Helfer leer geräumt. Die 2 Billyregale den engen Hausflur runter, in den Bus und schließlich bei uns durch ein sehr ungünstig geschnittenes Treppenhaus wieder hoch zu wuchten, verlangte unseren Helfern einiges ab, ebenso Nicolas‘ tonnenschwerer Architektenschreibtisch, der aus Platzgründen leider nicht mit in unsere neue Behausung ziehen kann. Jetzt ist sein Zimmerchen leer und in unseren 48qm herrscht das Chaos, das bis spätestens Sonntagmittag behoben sein muss, weil Montag meine Sachen inkl. Kleiderschrank kommen.
Parallel zum Semesteranfang bin ich bisher jeden Tag nach Hause nach Fronhausen gependelt und habe dort meinen Kleiderschrank entmüllt (was man sich so alles für Kleider kauft und später nie mehr anzieht…), in Bananenkisten verpackt und die Böden herausgenommen, so dass mein Vater am Sonntag „nur“ noch den Massivholzschrank in seine Einzelteile zerlegen und bei uns wieder aufbauen muss. Montag ab 14 Uhr gehört dann der Studibus wieder uns und nach unseren ersten Umzugserfahrungen mit dem Teil sind wir ziemlich begeistert von dem Service.
Mein Masterstudium gestaltet sich nach knapp einer Woche sehr arbeitsintensiv. Zwar sind wir nur noch in den meisten Seminaren zwischen 15 und 20 Studierende (was das Stuhlproblem löst), allerdings legen die Dozenten Wert auf mündliche Mitarbeit und aktive Beteiligung an der Diskussion. Sich zwischen nur 14 Kommilitonen zu verstecken, klappt eher nicht. Also muss ich jetzt immer alle Basistexte nicht nur aus Ilias runterladen, sondern auch wirklich lesen und bearbeiten. Hinzu kommen in diesem Semester insgesamt 1 Minivortrag über statistisch aufbereitete Daten bei Heyder, 1 Klausur zur Vorlesung in neuster Geschichte und 3 Referate jeweils in den Seminaren „Machtnetzwerke“ bei Bieling über Bertelsmann mit Hausarbeit, Religionskritik bei „Politischer Theorie“ bei Noetzel (ohne Hausarbeit) sowie die Entstehung des modernen Großkonzerns Krupp mit anschließender Hausarbeit in Geschichte. Damit komme ich dieses Semester auf insgesamt 33 Workload und habe allein lesetechnisch gut zu tun. Die Historiker wollten als Grundlage eine 1000 Seiten Schinken für ihre Vorlesung, um die Klausur zu bestehen. Dafür wird uns das Quellenstudium erspart.
Der nicht beendete Umzug frisst momentan auch noch unheimlich viele Ressourcen – wir schlafen immer noch auf dem Schlafsofa, arbeiten ohne Schreibtisch und Ablagemöglichkeiten, rennen um zig Kisten und Papierstapel rum und suchen ständig irgendwelche Unterlagen in nicht ausgepackten Kisten. Nicolas renoviert seit 2 Tagen sein Zimmer und hofft auf einen schnellen Nachmieter. Und als krönender Abschluss darf ich morgen noch in den Frühdienst, obwohl ich eigentlich frei hatte und im Anschluss in Fronhausen die letzten Sachen räumen will. Unsere Handyrechnungen explodieren wegen des fehlenden Telefonanschlusses.
Hinzu kommt viel (unnötiger) Stress von außen: Am Montag bekam ich ein Schreiben von meiner Krankenkasse, in der sie sich freuen, mich als neues Mitglied zu begrüßen. Ein Telefonat mit der zuständigen Stelle in Frankfurt brachte es an den Tag – der Deutsche Bundestag hatte mich für meine Tätigkeit als Sozialversicherungspflichtig angemeldet, obwohl der Vertrag auf kurzfristig Beschäftigte ausgestellt war und damit für mich Sozialversicherungsbeitragsfrei bleibt. Ein unschöner Nebeneffekt sind außerdem die regulären Abzüge, die meine 600 Euro auf 430 Euro schmilzen lassen. Nach Auskunft der Krankenkasse muss der Arbeitgeber (der Deutsche Bundestag) die Neuaufnahme stonieren, damit mich die Krankenkasse wieder in die Familienversicherung aufnehmen kann. Ich ruf also in der Berlin die zuständigen Stellen an, werde 2 mal intern weiterverbunden, hänge in Warteschleifen und am Ende ist die zuständige Sachbearbeiterin nicht mehr in ihrem Büro (grrr…). Ich erwische allerdings im Abgeordnetenbüro Veit jemand, der sich meiner Sache annimmt und es klären möchte – weil wir immer noch ohne Telefon sind, wird mir ein ständiges Hinterhertelefonieren irgendwelcher Referatsmenschen in Berlin etwas erschwert.
Heute Abend sind wir bei Freunden eingeladen, weswegen es vermutlich wieder später wird und am Samstag haben meine Eltern zum Essen geladen. Am Sonntag werde ich dann trotz Schrankaktion mal ausschlafen, bevor es Montag um halb 8 wieder los geht.