Sagt noch mal einer, dieser Wahlkampf sei langweilig… anstrengend ist er auf alle mal. Obwohl – oder gerade weil – heute Samstag war, hieß das: Großer Standtag in allen möglichen großen und kleinen Orten in Rüdiger Veits’ Wahlkreis, die der MdB besuchen muss. Es geht also morgens um 10 Uhr los mit der Eröffnung einer kleinen Elektrik- und Sanitätsfirma in Heuchelheim, danach zum Seltersweg in Giessen, wo die Parteien mit Luftballons in ihren Farben und Give-Aways um die Gunst der noch Unentschlossenen buhlen. Fazit nach 40 Minuten Standdienst: Die Stimmung für die Sozialdemokraten steigt. Die Leute beleidigen einen nicht, sondern sind sogar mässig interessiert. Dieser Eindruck festigt sich bei unseren weiteren Besuchen von Wahlkampfständen in Buseck, Buseck-Beuern und anderen kleinen-großen Dörfern im Landkreis.
Zwischendurch machen wir einen Zwischenstopp bei der IG-Metall Jubilarenehrung – ein proppevoller Saal, ein sehr kämpferischer DGB-Vorsitzender Hessen-Thüringen Stefan Körzell, Bombenstimmung – bin ich hier wirklich bei einer Gewerkschaftsveranstaltung?? Fast wie in alten Zeiten… Danach wieder kurz zum Wahlstand, dann weiter nach Lich zur Bereitschaftspolizei, auf deren Geländer das Helferfest für die ehrenamtlich Tätigen in unserem Hessenland stattfindet. Volker Bouffier, unser hessischer Innenmininster, findet warme und vor allem kurze (!) Worte, dann geht der Tag mit Freigetränken weiter, begleitet von Aufführungen, Rodeoschaf und Kinderecke.
Bis die erste Wurst auf dem Grill brutzelt, sitzen wir schon längst wieder im Auto und fahren zu einem Schulfest nach Rödgen kurz vor Giessen. Auch hier wegen der Zeit nur ein 30minütiges “Hallo”-Sagen, ein kurzfristiger Feuerwehrfest-Termin hat sich dazwischengeschoben und droht nun, Rüdigers Abendvorbereitungszeit für die Podiumsdiskussion zu seinem Leib-und-Magen-Thema “Ausländer- und Bleiberecht” aufzuzehren. Bei den Feuerwehrkameraden bekommen wir sehr eindrucksvoll demonstriert, was geschieht, wenn wir einen Fettbrand mit Wasser löschen. Die neue Wache würdigen wir keinen Blickes und sitzen schon wieder im Auto Richtung Giessen. Aber da war doch noch was… richtig: Essen und Trinken! Auf dem Schulfest ist mein Blick auf den Grill so mietleidig, dass der Bundestagsabgeordneter trotz Zeitmangel Märkchen und Würstchen ersteht, die wir im Eiltempo futtern. Gesunde Ernährung bei dem Job in dieser Zeit ist wahnsinnig schwer.
Die Abenddiskussion findet ohne mich statt, nachdem nur ein Zug um 20:38 und 23:00 Uhr zurück nach Fronhausen fährt und ich mindenstens 1 Stunde Nachts alleine in Giessen hätte warten müssen. Das kann der Abgeordnete nicht mit seinem Gewissen vereinbaren und lässt mich in der Innenstadt raus. Morgen geht es – obwohl Sonntag – Abends mit einer Diskussion beim DGB Giessen weiter. Vorher aber gehen wir mit der Familie und Großeltern groß Lunchen.