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Liebe Leser meines Blogs,

wie ihr sicher gemerkt habt, habe ich diese Woche noch gar nicht geschrieben. Das liegt daran, dass wir immer noch auf unsere Internetfreischaltung in unserem neuen Domizil in der Elisabethstraße warten, was trotz zügiger Auftragsbestellung wohl doch dauert.

Ansonsten haben wir vergangenen Sonntag Nicolas‘ Studentenbude mittels Studibus und starker, fleißiger Helfer leer geräumt. Die 2 Billyregale den engen Hausflur runter, in den Bus und schließlich bei uns durch ein sehr ungünstig geschnittenes Treppenhaus wieder hoch zu wuchten, verlangte unseren Helfern einiges ab, ebenso Nicolas‘ tonnenschwerer Architektenschreibtisch, der aus Platzgründen leider nicht mit in unsere neue Behausung ziehen kann. Jetzt ist sein Zimmerchen leer und in unseren 48qm herrscht das Chaos, das bis spätestens Sonntagmittag behoben sein muss, weil Montag meine Sachen inkl. Kleiderschrank kommen.

Parallel zum Semesteranfang bin ich bisher jeden Tag nach Hause nach Fronhausen gependelt und habe dort meinen Kleiderschrank entmüllt (was man sich so alles für Kleider kauft und später nie mehr anzieht…), in Bananenkisten verpackt und die Böden herausgenommen, so dass mein Vater am Sonntag „nur“ noch den Massivholzschrank in seine Einzelteile zerlegen und bei uns wieder aufbauen muss. Montag ab 14 Uhr gehört dann der Studibus wieder uns und nach unseren ersten Umzugserfahrungen mit dem Teil sind wir ziemlich begeistert von dem Service.

Mein Masterstudium gestaltet sich nach knapp einer Woche sehr arbeitsintensiv. Zwar sind wir nur noch in den meisten Seminaren zwischen 15 und 20 Studierende (was das Stuhlproblem löst), allerdings legen die Dozenten Wert auf mündliche Mitarbeit und aktive Beteiligung an der Diskussion. Sich zwischen nur 14 Kommilitonen zu verstecken, klappt eher nicht. Also muss ich jetzt immer alle Basistexte nicht nur aus Ilias runterladen, sondern auch wirklich lesen und bearbeiten. Hinzu kommen in diesem Semester insgesamt 1 Minivortrag über statistisch aufbereitete Daten bei Heyder, 1 Klausur zur Vorlesung in neuster Geschichte und 3 Referate jeweils in den Seminaren „Machtnetzwerke“ bei Bieling über Bertelsmann mit Hausarbeit, Religionskritik bei „Politischer Theorie“ bei Noetzel (ohne Hausarbeit) sowie die Entstehung des modernen Großkonzerns Krupp mit anschließender Hausarbeit in Geschichte. Damit komme ich dieses Semester auf insgesamt 33 Workload und habe allein lesetechnisch gut zu tun. Die Historiker wollten als Grundlage eine 1000 Seiten Schinken für ihre Vorlesung, um die Klausur zu bestehen. Dafür wird uns das Quellenstudium erspart.

Der nicht beendete Umzug frisst momentan auch noch unheimlich viele Ressourcen – wir schlafen immer noch auf dem Schlafsofa, arbeiten ohne Schreibtisch und Ablagemöglichkeiten, rennen um zig Kisten und Papierstapel rum und suchen ständig irgendwelche Unterlagen in nicht ausgepackten Kisten. Nicolas renoviert seit 2 Tagen sein Zimmer und hofft auf einen schnellen Nachmieter. Und als krönender Abschluss darf ich morgen noch in den Frühdienst, obwohl ich eigentlich frei hatte und im Anschluss in Fronhausen die letzten Sachen räumen will. Unsere Handyrechnungen explodieren wegen des fehlenden Telefonanschlusses.

Hinzu kommt viel (unnötiger) Stress von außen: Am Montag bekam ich ein Schreiben von meiner Krankenkasse, in der sie sich freuen, mich als neues Mitglied zu begrüßen. Ein Telefonat mit der zuständigen Stelle in Frankfurt brachte es an den Tag – der Deutsche Bundestag hatte mich für meine Tätigkeit als Sozialversicherungspflichtig angemeldet, obwohl der Vertrag auf kurzfristig Beschäftigte ausgestellt war und damit für mich Sozialversicherungsbeitragsfrei bleibt. Ein unschöner Nebeneffekt sind außerdem die regulären Abzüge, die meine 600 Euro auf 430 Euro schmilzen lassen. Nach Auskunft der Krankenkasse muss der Arbeitgeber (der Deutsche Bundestag) die Neuaufnahme stonieren, damit mich die Krankenkasse wieder in die Familienversicherung aufnehmen kann. Ich ruf also in der Berlin die zuständigen Stellen an, werde 2 mal intern weiterverbunden, hänge in Warteschleifen und am Ende ist die zuständige Sachbearbeiterin nicht mehr in ihrem Büro (grrr…). Ich erwische allerdings im Abgeordnetenbüro Veit jemand, der sich meiner Sache annimmt und es klären möchte – weil wir immer noch ohne Telefon sind, wird mir ein ständiges Hinterhertelefonieren irgendwelcher Referatsmenschen in Berlin etwas erschwert.

Heute Abend sind wir bei Freunden eingeladen, weswegen es vermutlich wieder später wird und am Samstag haben meine Eltern zum Essen geladen. Am Sonntag werde ich dann trotz Schrankaktion mal ausschlafen, bevor es Montag um halb 8 wieder los geht.

OE-Eindrücke

Die Institutsleitung scheint dazu gelernt zu haben:

Bei der Erläuterung des MA Studiengangs gibt es am Dienstagmorgen einige Überraschungen von Frau El Masry für uns 15 Masterstudents. Überraschung Nummer 1: Keine Referatsverschriftlichungen mehr. Wir halten unsere Referate in einer Art mündlichen Prüfung vor Publikum und bekommen diesen Votrag bewertet. Das ist super, weil damit a) die Qualität des Vortrages hoffentlich steigt und man b) endlich mal etwas von den Seminaren hat und c) sich Arbeit mit der Verschriftlichtung erspart. Heißt für mich an Schriftlichem in diesem Powi-Studium „nur“ 2 Hausarbeiten, 2 Projektberichte und meine MA-Thesis. Das ist absolut schaff- und überschaubar.

Bei der Modulerläuterung wird mir schnell klar, dass ich meine Schwerpunkte ändern werde: Keine IPÖ mit Fokus auf den Nah- und Mittleren Osten sowie Geschlecht, sondern lieber gesellschaftliche Strukturkonflikte, Wohlfahrtsstaat und Zivilgesellschaft in Verbindung mit Empirie. Blöde nur, dass letzteres in diesem Semester nicht angeboten wird. Also gehe ich heute morgen bei der Vorstellung der Lehrenden zu Frau Kurz-Scherf und frage sie nach Lehrangeboten für Masterstudis in diesem Bereich. Sie ist meinem Anliegen sofort offen gegenüber und verspricht, im nächsten Semester Seminare dazu anzubieten, mit Fokus auf Forschungssemester und MA-Thesis. Mit Frau Westle bespreche ich kurz auf dem Gang, in meiner Methodenausbildung draufsatteln zu wollen, um bei ihr evt. wieder meine Master-Thesis zu schreiben, was sie wohlwohlend zu Kenntnis nimmt.

Ansonsten gilt für die Masterstudis die Maxime: Äußern Sie Themenwünschen gegenüber ihren Dozenten, sie orientieren sich dann im Lehrprogramm an ihnen. Was will man als Student mehr? Wir sind zufrieden.

Ansonsten waren Nicolas und ich gestern in Wehrda und haben unsere 140 x 200 cm Matratze für 600 Euro bestellt. Das gute Stück hat 3 bis 4 Wochen Lieferzeit und so lange nächtigen wir jetzt noch auf unserem Schlafsofa. Die Wohnung wird langsam mit Umzugskisten immer voller, unser Bettgestell ist schon aufgebaut und steht im Schlaf-Arbeitszimmer. Den heutigen Uni/OE-freien Tag wollen Nicolas und ich jetzt nutzen, um seine Bude weiter leer zu räumen und das Zimmer für  Besichtigungen herzurichten.

Nach fast 8 Monaten Leerlauf ging es heute also wieder an die Universität. OE-Woche für das Masterstudienprogramm mit allem, was am ersten Tag so dazugehört: Verlegenes Herumdrucksen vor dem Hörsaal, wo Begrüßung und Einteilung in die Gruppen stattfindet, vorsichtiges zwischenmenschliches Vortasten mit der Erkenntnis, dass alle Angesprochenen Bachelorerstis sind (ob wir damals auch so klein waren? Es wirkt zumindest so). Ich profitiere gleich zum Beginn des Tages von unsere Wohnungsnähe zur Uni – in nur 10 Minuten bin ich zu Fuß beim Hörsaalgebäude, zur Phil-Fak dauert es knappe 20 Minuten. Was will Frau mehr…

Im Hörsaal habe ich dann Glück und sitze gleich neben einer Powi-Masterstudentin, erstes Fachsemester. Ariane hat in Osnabrück ihren Bachelor gemacht und wohnt in Cölbe. Schnell entspinnt sich ein Gespräch. Die Master werden nach einer kurzen Begrüßung von Frau El Masry alle zusammen in eine Kleingruppe gesteckt und stellen sich im Cafe Leonardo gegenseitig vor. Wir kommen aus ganz Deutschland und 5 von 15 haben sogar in Marburg ihren Bachelorabschluss gemacht. Trotzdem bekommen alle die Phil-Fak mit G-Gang, Politikbibliothek, Uni-Bib und Mensa gezeigt und ausführlich erklärt. Im Anschluss gehen wir alle zusammen in der Oberstadt essen und verabreden uns für Abends zur Kneipentour, Treffpunkt Hörsaal-Gebäude.

Mein erster Eindruck ist der eines bunt zusammengewürfelten Haufens, mit dem das Studium in Marburg sicher unterhaltsam ist.

Wohnungssuche erfolgreich

Das, was andere Leute in mehreren Wochen haben, hatten Nicolas und ich komprimiert in nur einer: Seit Sonntag letzte Woche haben wir eine kleine Wohnung in Marburg. An der Elisabethkirche, unterm Dache, 48 qm, ein für Marburger Verhältnisse großes Bad, eine Wohn-Küche mit selbstgezimmerter Einbauküche inkl. aller Elektrogeräte (Herd, Kühl- und Gefrierschrank (!)), und hellem Parkettfußboden. Der Vater der Vormieterin ist Schreiner und hat seiner Tochter mal eben neben einer passgenauen Küche auch noch diverse Regale zwischen die Balken gesetzt und die Schrägen durch Schiebevorrichtungen zu Lagerraum umfunktioniert. Wir sind schon bei der Besichtigung begeistert und schlagen sofort zu. Gefunden haben wir unsere neue Bleibe in einem Medium, von dem ich nie dachte, dort jemals etwas zu finden: Dem Marburger Express Magazin. Wir sparen uns damit den Makler, müssen allerdings einen Abschlag für die Elektrogeräte zahlen – kein Problem für uns, weil Anschaffungen wie Kühlschrank, Herd etc. eh auf der Tagesordnung gestanden hätten.

Nach unseren ersten Nächten auf unserem neuen Ausziehsofa akklimatisieren wir uns nun langsam und mit den ersten Umzugskartoons, die jetzt unsere Räume zieren, wirkt die Wohnung auch langsam wohnlich.

Es kam, wie es kommen musste:

Nachdem sich der Makler am Mittwoch nicht gemeldet hat, hat Nicolas zum Telefonhörer gegriffen und den werten Herren angerufen. Der gute Mann konnte sich überhaupt nicht mehr an uns erinnern und tat ganz verwundert: Die Wohnung sei doch seit Montag vermietet! Grrrr… ich hasse Makler! Angeblich bekommt der gute Mann am Freitag ein neues Angebot rein, das er nur uns vorlegen will… wers glaubt wird seelig. Wir stehen also wieder am Anfang.

Bei den GWH-Wohnungen gibt es das Problem, dass wir meistens einen Wohnberechtigungsschein benötigen, den wir nicht bekommen, weil ich zu viel Geld gespart habe.

Außerdem zeichnet es sich ab, dass ich dank Wirtschaftskrise vermutlich kein zusätzliches Geld von meinen Eltern bekommen kann – sieht man vom Kindergeld einmal ab. Bei den Zulieferern beginnt nämlich jetzt der Jobabbau. Das heißt für mich: Auf eigenen Füßen stehen und irgendwie Arbeit, Studium und selbstständig werden unter einen Hut bekommen. Ich glaube, es gab schon mal günstigere Zeiten für so etwas.

Am Dienstag war ich bei der Studienberatung wegen meinen Nebenfächern. Nach Frau El Masry darf ich alles studieren, was ich will, muss es aber immer von ihr absegnen lassen, weil es keine stabilien Übereinkommen bezüglich Exportmodule gibt – sieht man mal von den Psychologen ab, die zwar ein sehr interessantes Angebot haben, mir aber vermutlich wie Jura die Abschlussnote runterziehen. Der Stundenplan steht so halb, neben 2 Methodenseminaren und 1 politischer Theorie werde ich als 1 Wahlschwerpunkt Internationale Politische Ökonomie belegen und Mittwoch Morgens um 8 Uhr zur Vorlesung antreten. Als 2. Schwerpunkt würde ich gern was im Bereich Wohlfahrtsstaat und Zivilgesellschaft machen, aber Frau Kurz-Scherf bietet in diesem Semester nur Dinge im Bereich Gender an – nicht wirklich mein Steckpferd. Bleibt mir zu hoffen, dass sich das im nächsten Semester ändert. Solange klopfe ich jetzt die Nebenfachmöglichkeiten ab.

Sagt noch mal einer, dieser Wahlkampf sei langweilig… anstrengend ist er auf alle mal. Obwohl – oder gerade weil – heute Samstag war, hieß das: Großer Standtag in allen möglichen großen und kleinen Orten in Rüdiger Veits’ Wahlkreis, die der MdB besuchen muss. Es geht also morgens um 10 Uhr los mit der Eröffnung einer kleinen Elektrik- und Sanitätsfirma in Heuchelheim, danach zum Seltersweg in Giessen, wo die Parteien mit Luftballons in ihren Farben und Give-Aways um die Gunst der noch Unentschlossenen buhlen. Fazit nach 40 Minuten Standdienst: Die Stimmung für die Sozialdemokraten steigt. Die Leute beleidigen einen nicht, sondern sind sogar mässig interessiert. Dieser Eindruck festigt sich bei unseren weiteren Besuchen von Wahlkampfständen in Buseck, Buseck-Beuern und anderen kleinen-großen Dörfern im Landkreis.

Zwischendurch machen wir einen Zwischenstopp bei der IG-Metall Jubilarenehrung – ein proppevoller Saal, ein sehr kämpferischer DGB-Vorsitzender Hessen-Thüringen Stefan Körzell, Bombenstimmung – bin ich hier wirklich bei einer Gewerkschaftsveranstaltung?? Fast wie in alten Zeiten… Danach wieder kurz zum Wahlstand, dann weiter nach Lich zur Bereitschaftspolizei, auf deren Geländer das Helferfest für die ehrenamtlich Tätigen in unserem Hessenland stattfindet. Volker Bouffier, unser hessischer Innenmininster, findet warme und vor allem kurze (!) Worte, dann geht der Tag mit Freigetränken weiter, begleitet von Aufführungen, Rodeoschaf und Kinderecke.

Bis die erste Wurst auf dem Grill brutzelt, sitzen wir schon längst wieder im Auto und fahren zu einem Schulfest nach Rödgen kurz vor Giessen. Auch hier wegen der Zeit nur ein 30minütiges „Hallo“-Sagen, ein kurzfristiger Feuerwehrfest-Termin hat sich dazwischengeschoben und droht nun, Rüdigers Abendvorbereitungszeit für die Podiumsdiskussion zu seinem Leib-und-Magen-Thema „Ausländer- und Bleiberecht“ aufzuzehren. Bei den Feuerwehrkameraden bekommen wir sehr eindrucksvoll demonstriert, was geschieht, wenn wir einen Fettbrand mit Wasser löschen. Die neue Wache würdigen wir keinen Blickes und sitzen schon wieder im Auto Richtung Giessen. Aber da war doch noch was… richtig: Essen und Trinken! Auf dem Schulfest ist mein Blick auf den Grill so mietleidig, dass der Bundestagsabgeordneter trotz Zeitmangel Märkchen und Würstchen ersteht, die wir im Eiltempo futtern. Gesunde Ernährung bei dem Job in dieser Zeit ist wahnsinnig schwer.

Die Abenddiskussion findet ohne mich statt, nachdem nur ein Zug um 20:38 und 23:00 Uhr zurück nach Fronhausen fährt und ich mindenstens 1 Stunde Nachts alleine in Giessen hätte warten müssen. Das kann der Abgeordnete nicht mit seinem Gewissen vereinbaren und lässt mich in der Innenstadt raus. Morgen geht es – obwohl Sonntag – Abends mit einer Diskussion beim DGB Giessen weiter. Vorher aber gehen wir mit der Familie und Großeltern groß Lunchen.

Der Wurm ist drin…

Schlauer geworden von unseren Erfahrungen mit Maklern, waren wir am Freitag schobn überpünktlich um kurz vor 10 im Elisabethweg. Und siehe da, der frühe Vogel fängt den Wurm: Der Makler taucht um kurz vor 10 auf und führt uns in die Wohnung. Wir durchschreiten die Räume und entscheiden uns innerhalb von Sekunden: Diese soll es sein. Zentral gelegen und trotzdem ruhig, frisch renoviert (das großzügige Bad ist noch gar nicht fertig), eine große Küche, in der wir zwar von Kühlschrank über Herd alles mitbringen müssen, hell und gut geschnitten. Schlaf- und Wohnzimmer werden innerhalb der Wohnung mit 2 kleinen Fensterchen verbunden, was dem Raum Tageslicht spendet. Der Makler beschließt, den Vermieter in seinem wohlverdienten Urlaub anzurufen, mit uns den Mietvertrag aufzusetzen und die Wohnung aus dem Internet zu nehmen. Beide Seiten verlassen zufrieden die Wohnung und ich beginne im Geiste schon mit der sofortigen Mietung des Studi-Bus und dem Rekrutieren von starken Männern.

Ich plane bis zum Maklerbüro. Dort hat der Makler mit der Eigentümer telefoniert und erfahren, dass diese einen Sohn hat, der auch ein Pärchen kennt, das sich die Wohnung gerne ansehen will. Nicolas spielt seine Trumpfkarte: Sicheres Einkommen durch baldiges Rechtsreferendiat und die Bürgschaft seiner Mutter. Von letzterem ist der Makler beeindruckt, fügt unseren Unterlagen eine Kopie bei und verspricht, für uns beim Eigentümer ein gutes Wort einzulegen. Letztenendes entscheidet allerdings der Eiegntümer und nach unseren politischen Erfahrung sticht Vitamin B andere Menschen aus.

Enttäuscht und etwas sauer ziehen wir ab. Der Makler entschuldigt sich bei uns (sieht der doch seine Provision davonschwinden) und verspricht, uns am Mittwoch anzurufen. Die Chancen stehen 1:99 für uns. Zwei weiter eingetroffene Angebote von der Wohnungsbaugesellschaft klingen zwar bezahlbar (340 für 55 qm warm), die Lage ist allerdings eher bescheiden (Richtsberg). Anscheinend wird das nichts mit dem Umzug zum Semesteranfang. Also tummeln wir uns noch ein bisschen in Maklerbüros herum, ich verwalte so lange treu viel zu viel Geld auf meinem Konto (auf dem bereits Nicolas’ Mutter ihr Verlobungsgeschenk eingezahlt hat) und spare für die zu hinterlegende Kaution.

Wohnungspleiten…

Am Montag hatten Nicolas und ich eine Wohnungsbesichtigung im Marburger Südviertel. Das Wetter schickte mit Dauerstarkregen unheilvolle Vorboten vom Himmel, als wir in der Wilhelmstraße 39 eintreffen – um 3 Minuten nach 10. Die Maklerin ist da bereits wieder gegangen und hat die Wohnung einen anderen Interessenten gezeigt (mpfff… Makler). Da aber mit uns noch ein Medizinstudent wartet, bequemt sich die Frau noch einmal zu uns, um die Wohnungstür aufzuschließen.

Die Wohnung selbst gefällt uns gut, es sind fast 3 kleinerer statt 2 größere Zimmer, ein renoviertes Bad, eine Spüle und Kühlschrank, den Backofen müssten wir von Nicolas mitnehmen (er hat einen mobilien). Die Miete ist auch noch erträglich (knapp 490 Euro mit Strom) und die Provision könnten wir dank Nicolas‘ Mutter auch sofort bezahlen. Kurz und knapp: Wir sind begeistert und erfahren beim Rausgehen, dass sich der Vermieter noch einmal mit allen Interessenten treffen und den Endmieter persönlich aussuchen wird. Dafür müssen wir allerdings einen Auskunftsbogen ausfüllen und gehen deshalb mit in das Maklerbüro am Wilhelmsplatz.

Dort angekommen platzt dann die Bombe: Der Makler war davon ausgegangen, das nur EINER von uns in diese 41qm Wohnung für 480 warm ziehen möchte. Der Vermieter möchte nämlich KEINE Pärchen mehr haben, nachdem sich ein Studentenpärchen 4 Monate nach dem Einzug getrennt hatte. Wir sind mittelschwer verdutzt und etwas schockiert. Nicolas‘ Charmoffensive bleibt leider wirkungslos, den der Vermieter stellt sich nach telefonischem Rückruf weiterhin gegen Paare als Mieter (Anti-Diskriminierungsgesetz lässt grüßen). Wir sind sauer-enttäuscht und ziehen durch strömenden Regen wieder ab.

Immerhin macht uns die Dame aber ein weiteres Mietangebot in der Marburger Kantstraße, für insgesamt 485 Euro warm inkl. Strom und Balkon. Die Provision wäre hier auch weitaus geringer, allerdings es ist ein Stück Busfahrt in die Innenstadt. Da aber der Markt in Marburg momentan nicht gerade mit bezahlbaren, zentralen, hübschen 2-Zimmer-Wohnungen zugepflastert ist, rücken wir heute Morgen um 9 Uhr zum Besichtigungstermin an.

Ergebnis: Wieder eine Pleite. Die Wohnung wurde von der Hausverwaltung direkt weitervermietet, dem Maklerbüro hat niemand etwas gesagt. Wir könnten gut und gerne mal etwas gegen die Hauswand werfen, was laut scheppernd kaputt geht, so ärgerlich sind wir. Was uns nicht gänzlich die Flinte ins Korn werfen lässt, ist die Tatsache, dass wir morgen um 10 Uhr noch eine Besichtigung haben – in der Marburger Innenstadt bei der Elisabethkirche, super zentral, 50 qm für 500 warm inkl. Strom und frisch renoviert. Wir schicken jetzt stündlich Stoßgebete zum Himmel, dass es morgen endlich klappt. Falls nicht, fangen wir eben wieder bei 0 an auf einem Markt, in dem momentan weniger Bewegung herrscht.

Einziger Wehrmutstropfen für den Fall, dass wir die Wohnung bei der Elisabethkirche bekämen: Der Umzug müsste innerhalb der nächsten 14 Tage stattfinden. Ein ziemlicher Kraftakt, wo wir beide momentan eigentlich nonstop im Wahlkampf stecken und beide unsere Bestände gründlich ausmissten müssten, bevor die Umzugskartons kommen. Sollte das Angebot allerdings einigermaßen passen, werden wir trotz alledem morgen laut „Hier“ rufen. Es bleibt also spannend.

Die Marburger Immobilienhaie haben uns in ihren Klauen:

Wir besichtigen am Montag unsere erste Wohnung in der Wilhelmstraße. Die Provision ist saftig (knapp 800 Euro), die Miete an der Schmerzgrenze unseres Budget (430 Euro warm), dafür liegt sie zentral im Südviertel mit Terrasse, 41 qm groß und ist wohl noch zu haben (d.h. es tummeln sich nicht 20 Studenten als Mitbewerber rum, kein Wunder bei der Mietprovision).

Heute Abend besichtigen wir unsere Location, wo unsere Verlobungsfeier stattfinden soll. Nicolas‘ Mama hat sich spontan gestern Abend als Sponsorin für Umzug und kleine Feier aufgetan:-). Die Einladungskarten sind fast alle fertig gebastelt, morgen treten Nicolas und ich die Rundreise zu meiner Verwandtschaft an, um die frohe Botschaft unter Großmütter, Großväter und Onkels zu verkünden. Jetzt düse ich erstmal heim und erledige da meine Haushaltspflichten, bevor ich mich wieder in den Zug Richtung Marburg setze.

Ab Donnerstag bin ich dann Ganztags mit dem Bundestagsabgeordneten unterwegs und am Freitagabend fahren Nicolas und ich nach Kassel zum Verlobungsbesuch bei Nicolas‘ Mutter.

Verliebt, verlobt, ver……

Die letzten Tage war so viel los, dass ich kaum Zeit hatte, mich mal um Dinge wie Unieinschreibung oder meine Protokolltätigkeit für die Gemeindeverwaltung nachzukommen. Wen die Politik wieder hat, gibt sie auch nicht so schnell wieder preis. Bis Freitag waren wir noch auf 2 Podiumsdiskussionen an Schulen und auf einem Seniorencafe bei den DGB Senioren in Alsfeld. Der Abgeordnete und ich verstehen sich immer besser und das Arbeiten ist sehr angenehm. Ich werde – falls nötig – immer von A nach B mit dem Auto gefahren und falls es mal nicht klappt, steige ich eben in den Zug, wenn einer vorhanden ist.

Aber komme ich mal zum Freitag:

Am Freitag vor einem Jahr wurden Nicolas und ich ein Paar. Obwohl ich vormittags noch arbeiten musste, war ich sehr gespannt und aufgeregt, was ab 16 Uhr passieren würde. Erstmal kam Nicolas zu mir nach Fronhausen und überreichte mir (wie bei den vergangenen Monatstagen auch) eine rote Rose. Danach fuhren wir nach Giessen und mein Schatz überraschte mich mit einem Besuch in einem Thaimassagestudio. Wer so etwas noch nie gemacht hat, dem kann ich es wärmstens empfehlen, danach seid ihr wieder perfekt eingerenkt und eure Muskeln sind toll durchblutet. Die zierlichen Masseurinnen, denen man ihre Nussknackerhände keinen Deut ansieht, verwöhnen uns gut eine Stunde lang mit thailändischen Ölen.

Im Anschluss hasteten wir durch strömenden Regen in einer Rekordzeit zum Bahnhof. Das Wetter hätte insgesamt etwas besser sein können. In Marburg angekommen, geleitet mich Nicolas in das „kleine Restaurant“ am Wilhelmsplatz, wo der Name Programm ist: Maximal 10 Tische, lange Reservierungszeiten, gehobene Küche, Miniportionen und so viele Gänge, das selbst der Etikettekünstler Nicolas durcheinander kommt (er hat so ein „Feine Essen Seminar“ bei der Konrad-Adenauer-Stiftung im Rahmen seines politischen Stipendiums besuchen müssen). Nach gefühlten 8 Gängen (ankündigt waren 4) machen wir uns auf den Weg zu „unserem“ Kennenlernplatz in Marburg – das erleuchtete Landgrafenschloss.

Petrus hatte doch noch Erbarmen mit uns und ließ die Wolkendecke aufreißen, um bei Vollmond und Sternen eine romantische Kulisse zu zaubern. Ich hatte im Restaurant Nicolas bereits mein Geschenk überreicht – ein Fotobuch, das in Etappen unser erstes gemeinsames Beziehungsjahr erzählt. Wer mit dem Gedanken spielt, so etwas Persönliches einmal an seine/n Liebste/r zu verschenken, dem rate ich zu einer ausreichenden Vorlaufzeit und gezückter Kamera, um genügend Bildmaterial zu bekommen. Dafür werdet ihr mit einer freudig-überraschten Reaktion belohnt – Nicolas hat das Geschenk außerordentlich gut gefallen.

Oben am Schloss waren wir dank des vorgegangenen Regens und der kühlen Temperaturen fast alleine. Nach einem langen Blick auf das nachtbeleuchtete Marburg geschieht es: Nicolas blickt mich – total nervös und aufgeregt – an und macht mir auf Knien einen Heiratsantrag. Ich bin von seinen Worten total gerührt, es ist in dem Moment sooo romantisch, und überglücklich sage ich „Ja“. Nur für alle, die jetzt hektisch anfangen, nach passenden Klamotten für eine Trauung zu suchen: Wir haben uns um kurz nach 23 Uhr verlobt. Eine Hochzeit wird erst in den nächsten 2 bis 3 Jahren stattfinden. Trotzdem schwebe ich förmlich an seiner Seite wieder hinunter in die Stadt und könnte vor Freude laut losquietschen. Nicolas ist total erleichtert und vergießt sogar zwei kleine Freundentränchen. Die Ringe sind aus Weißgold (meiner mit zierlich gearbeiteten Steinchen).

Nachher kommt heraus, dass meine Eltern seit ein paar Tagen schon Bescheid wussten (Nicolas hatte sie vorher per Telefonat in Kenntnis gesetzt) und auch Nicolas‘ Mutter wusste vom Vorhaben ihres jüngsten Sohnes. Sie gratuliert uns heute per Telefon ganz herzlich und will uns bald in Kassel leibhaftig einmal so richtig knuddeln. Sie freut sich, so eine Schwiegertochter zu bekommen (Ich bin mit meiner Schwiegermutter aber auch sehr zufrieden) und ihren Sohn glücklich zu sehen.

Noch am Freitagabend beschließen wir, für unsere Freunde und Bekannte in Marburg Ende Oktober/Anfang November eine Feier zu geben – die Einladungen gehen euch in den nächsten Tagen zu, sobald wir den Raum fest gemacht haben. Schließlich soll man Feste feiern, wie sie fallen.

Heute Abend fahren wir schon mal nach Kassel, um mit alten Schulfreunden von Nicolas auf das freudige Ereignis anzustoßen. Ich bin erstmal restlos happy.

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